Die Perfekten

Brinkmann, Caroline
Die Perfekten
Köln ; one, 2017
ISBN 978-3-8466-0049-8
605 S. – 18,- €

Inhalt:
Rain lebt als Ghost. Sie ist nicht registiert und stets auf der Hut. Im System von Hope hat sie somit keinen Platz. Rain will nur nicht mehr im Verborgenen leben und achtet nicht auf die oberste Regel eines Ghosts: Vertraue niemandem!

Rezension:
Mit dem ersten Band der Perfekten-Reihe setzt uns die deutsche Autorin in einem mehr als strengen System ab. Die Gesegneten, durch Genmanipulation perfekte Menschen, regieren das Land und haben ein Wertungssystem eingeführt. In ihren Umkreis durfen nur Menschen die eine 1 oder 1+ sind. Zweien dürfen gerade noch als Dienstpersonal arbeiten. Weitaus schlimmer geht es Menschen, die als 3 eingestuft werden. Sie sind als kaputt stigmatisiert und ziehen ihre Familen durch ihren Status nach unten.
Die Hauptperson Rain lebt mit ihrer Mutter Storm im Verborgenen. Rain ist als Ghost noch viel weiter unten, als alle anderen. Ghosts sind nicht regristrierte Personen und werden von den Herrschenden gerne als Verbreiter von Seuchen und Krankheiten abgestempelt.
Erschwerend kommt hinzu, dass sie in Grey lebt. Der Zirkel Grey ist genau wie sein Name verlauten lässt, grau. Grau vom Smog, der durch die Fabriken in die Luft gepustet wird. Bewohner der Stadt können nur mit Atemschutzmasken nach draußen und in den Wohnungen hat fast jeder einen Saugroboter, der rund um die Uhr den Staub aufsaugt.
Wie eigentlich immer in den Brennpunkten der Geschichten, legen die Oberen keinen Wert darauf, dass sich das Leben dort zum Positiven ändert. So ist es nicht verwunderlich, dass die Widerstandsgruppe der Spines besonders starken Zulauf aus Grey bekommt.

Nach der ersten großen Überraschung landen wir zusammen mit Rain im Zirkel der Gesegneten und lernen so die andere Seite kennen. Aber bleiben durchaus kritisch den Perfekten gegenüber. Rains Vergangenheit kann sie nicht einfach so hinter sich lassen oder vergessen. Durch ihre Erziehung hat sie eine gesunde Portion Selbstbewusstsein und ein Unrechtsbewusstsein bekommen. So ist es ausgeschlossen, dass sie Menschen entsprechend ihrer Zugehörigkeit der Stufen behandelt.

Caroline Brinkmann hat eine tolle Dystopie geschaffen, die zwar stellenweise relativ vom Satzbau gehalten ist und auch dass einige Passagen schnell durchschaut sind. Aber dennoch. Der Lesefluss bricht nicht ab und man will als Leser einfach nur wissen wie es weitergeht.

Fazit:

4 Büchersterne

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Der Report der Magd

Atwood, Margaret
Der Report der Magd
Engl. Titel: The handmaid’s tale
Berlin ; List Taschenbuch, 2006
ISBN 978-3-548-60718-4
8,95 € – 410 S.
Erste dt. Veröffentlichung im Jahr 1986

Inhalt:
Ein totalitärer Staat in der Zukunft: Frauen haben keine Rechte mehr. Diejenigen Frauen, die noch in der Lage sind Kinder zu bekommen, werden gezwungen als Mägde zu dienen…

Rezension:
Eine Besprechung zu diesem Buch ist nicht einfach. Das Buch ist auf viele Weisen komplex und ich kann nicht mal annähernd auf alles eingehen.
Als ich das Buch anfing, wurde bekanntgebeben, dass die TV-Serie bei Entertain bereitgestellt wird. Daraufhin habe ich nahezu zeitgleich das Buch gelesen und die Serie geschaut. Natürlich gab es Änderungen, aber mir gefiel die Serie ebenso gut wie das Buch. Zur Serie kann ich sagen, dass sie die Bereiche, die Desfred im Buch nie erzählen konnte, darstellte. Sei es das Verbleiben von Luke oder Moiras Geschichte, ebenso wie die Entstehung von Gilead.

Achtung ich werde spoilern!!!

In der Bibliothek in der ich arbeite, kam ich mit einer älteren Leserein, selbst Buchhänderin gewesen, ins Grspräch, da sie ein anderes Werk von Margaret Atwood gelesen hat. Wir kamen auf Der Report der Magd zur Sprache, aber sie fand dieses Buch einfach schlecht und unsinig, wirr. Damit war das Thema für sie auch schon erledigt. Ich sehe das ganz anders. Hier kann man sagen, jeder hat einen anderen Geschmack. Gut, der Einstieg in das Buch ist nicht leicht und vielleicht ist es auch eine Art Generationsfrage. Die Dame ist über 80 und ihr favorisiertes Genre liegt entfernt von Science Fiction & Co. Dennoch hat die Autorin einen wichtigen Punkt getroffen, der immer noch aktuell ist.

In der (vielleicht nicht ganz so weit) entfernten Zukunft wurde in den USA der totalitäre Staat Gilead gegründet. Christlich-fundamentalistische und machtbesessene Führer, die „Söhne Jakobs“, haben ein neues hierarisches Regime gegründet, dessen Gesetze mit aller Härte militärisch durchgesetzt werden. Durch atomare Katastrophen, Umweltzerstörung und Geschlechtskrankeiten sind immer mehr Menschen unfruchtbar geworden. Daher werden Frauen in den neuen sozialen Klassen brutal unterjocht und jeglicher Rechte beraubt. Sie dürfen weder arbeiten noch Eigentum besitzen geschweige denn lesen. All ihr vorheriges Vermögen wird entweder ihrem Mann oder einem männlichen Familienmitglied zugeschrieben. Die letzten fruchtbaren Frauen, denen nicht die Flucht gelang, werden zu Mädgen. Sie werden vorrangig den hochrangigen Kommandanten zugeteilt um gemäß der viel zitierten Bibel Kinder zu gebären. Jeder Verstoß gegen die Gesetzte und Regeln wird hart bestaft. Mägde müssen nicht gut aussehen, wen stört es, wenn sie nur noch ein Auge oder eine Hand haben. Auch werden viele Frauen ohne vernünftiges Gerichtsverfahren hingerichtet. Am „liebsten“ wegen Verrat am eigenen Geschlecht. Anfangs werden vor allem Wissenschaftler und Ärzte verfolgt und wegen ihrer älteren „Vergehen“, wie z.B. einem Schwangerschaftsabbruch, getötet.
Desfred ist eine von ihnen und erzählt aus ihrer Sichtweise was sie erlebte. Desfred ist nicht ihr wirklicher Name. June und die anderen Mädge bekommen in jedem Haushalt dem sie zugeordnet werden, einen neuen. Die Vorsile „Des“ und dann der Name des Kommandanten, ein Zeichen wem sie gehört. Anfangs ist es nicht leicht ihr zu folgen, da sie von der jetzigen Zeit in die Vergangenheit springt, von ihrer Familie, ihrem Job und ihrer Freizeit erzählt und dann schnell wieder zurück im Haus des Kommandenten fliegt.
Im Vergleich mit der Serie kann ich keinen großen Unterschied entdecken, wenn es darum geht beim Leser Gefühle zu wecken. Der Hass auf Tante Lydia oder den anderen Tanten z.B., ist jedes Mal gleich groß und die Wut, die man empfindet. Auch wenn man ein My Mitleid mit den Tanten empfindet, da sie vor allem ältere Frauen sind, für die die Gesellschaft Gilead keine Verwendung mehr hat und sie vor der Wahl Kolonien und Arbeit als Tante stehen.
Man merkt deutlich, dass die Autorin ein gutes Gespür für die Politik hat und gefährliche Strömungen/Entwicklungen beim Namen nennt. In der Serie wird es noch deutlicher, dass das was im Roman in den 80er/90er Jahren geschieht, problemlos in die heutige Zeit gesetzt werden kann. Die Normalität wird erst unterschwellig, dann immer offentsichtlicher gekippt.

Um noch etwas zur Serie zu sagen: Während das Buch damit endet, dass June in eine uns unbekannte Zukunft abgeführt wird und wir danach mit Wissenschaftlern über die Herkunft der inzwischen fast hundert Jahre alten Dokumente reden, wird im Abspann der Serie darauf hingewiesen, dass es mit einer zweiten Staffel weitergeht. Was wollen sie zeigen? Was mit June passiert ist? Wie die nächste Generation Gilead erlebt? Ja, das wäre total interessant, ebenso ob Gilead zerfällt, wenn die machtbesessenen Kommandaten und Anführer ihren Neigungen verfallen. Aber will ich das sehen? Ist das Buchende nicht passend genug?

4 1/2 Büchersterne

Die 100 – Rebellion

Morgan, Kass
Rebellion
Engl. Titel:  Rebellion
München ; Heyne, 2017
ISBN 978-3-453-27140-1
267 S. – 12,99 €

The 100-Tetralogie:
Bd. 1: Die 100
Bd. 2: Tag 21
Bd. 3: Heimkehr
Bd. 4: Rebellion

Inhalt:
Die Überlebenden der ursprünglichen 100 Jugendlichen haben sich mit den „Schiffbrüchigen“ aus dem All sowie den Dorfbewohner der Erdlinge zusammengerauft und ein Alltagsleben erschaffen. Plötzlich werden sie von einer Sekte überfallen, die nicht nur Einwohner entführt sondern auch ihre Winterworräte stehlen…

Rezension:
Ehrlich gesagt, war ich echt überrascht, als es hieß, dass ein vierter Band kommen sollte, da die 100 eine Trilogie sein sollte. Ich meine es stand auch im dritten Teil, aber dieser liegt mir nicht mehr vor.
Die Geschichte war für mich im Grunde vorbei und das Ende war relativ offen gehalten sodass man als Leser durchaus selber entscheiden konnte, wie die Geschichte weiter geht.

Jetzt im vierten Band hat die Autorin die Sekte der „Beschützer“ hervorgeholt, die andere Stämme und Gruppierungen observiert, überfällt, ausraubt und für „geeignet“ befundene Menschen entführt, damit diese die Sekte vergrößern.
Für mich ist dieses Buch, mit der großen Schrift, einfach zu kurz um so ein heikles Thema wie Sekten ausreichend zu behandeln. Anhand der Anführerin kann die Autorin zwar zeigen, wie manipulativ diese ist und wie leicht bestimmte Menschen darauf reagieren, aber es läuft alles zu glatt und zu einfach.
Die Reihe um die 100 war von Anfang an dadurch kennzeichnend, dass sie schnell zu lesen war, Konflikte immer gelöst wurden und auf irgendeine Weise ein Happy End für bestimmte Figuren (Bellamy & Clarke…..) eintrat.

Mich erinnerte die ganze Sekten-Geschichte an die dritte Staffel der TV-Serie, als immer mehr Menschen den Chip intus hatten. Es beschleichte einen schon der Gedanke, dass dieses Buch einzig dadurch zustande kam, da die TV-Serie so gut läuft. Wobei man hier ganz klar sagen muss, dass Handlung und Personen wirklich weit von dem aus dem Buch entfernt liegen.

Fazit:
Der vierte Band war einfach nicht nötig und als Kenner der Buch- sowie TV-Serie kommt er an seine literarischen Vorgängern nicht ran. Alles viel zu einfach, zu konstruiert, zu perfekt verlaufend.
3 Büchersterne

Gläsernes Schwert

Aveyard, Victoria
Gläsernes Schwert
Engl. Titel: Glass sword
Hamburg ; Carlsen, 2016
ISBN 978-3-551-58327-7
573 S. – 21,99 €

Die Farben des Blutes (4 Bände, vormals Trilogie):
Bd. 1: Die rote Trilogie
Bd. 2: Gläsernes Schwert
Bd. 3: Goldener Käfig

Inhalt:
Mare und Cal wurden von der Scharlachroten Garde aus der Todesarena gerettet. Sie sollen nun nach den Roten mit Silberkräften suchen, damit die Herrschaft der Silbernen gestürzt werden kann. Maven, der neue Silberkönig, eröffnet die Jagd auf sie – dabei will er nur eines: Mare, um jeden Preis…

Rezension:
Mare und Cal konnten nur knapp aus der Todesarena entkommen und befinden sich nun bei der Scharlachroten Garde. Dort werden sie, vor allem Cal, streng beobachtet. Cal wird sogar eingesperrt, da er immer noch ein Silberner ist. Auch Mare ergeht es im Lager der Garde nicht besser. Sie sieht zwar ihre Familie wieder, aber das Vetrauen der Soldaten hat sie nicht auf ihrer Seite.
Der böse König Maven indes provoziert Mare, in dem er zeigt, wie unwichtig die Roten doch für ihn sind. So läuft vor seiner Armee ein Schutzschild aus Roten. Trotzdem setzt er alles daran, dass Mare zu ihm zurückkommt. Er ist besessen von ihr.
Es entbrennt ein gewissen Wettrennen zwischen den beiden, wer als erster die Roten mit den Silberkräften findet. Mare, um sie um sich zu vereinen im Kampf gegen Maven und dieser, um Mare seine Macht zu zeigen, in dem er die Gefundenen grausam tötet.

Vertrauen ist etwas was sich durch dieses Buch zieht, vor allem die vielen Personen denen man nicht vertrauen kann. Aber Mare lernt einfach nicht. Ein Satz hängt über der ganzen Geschichte und man sollte sich als Leser diesen immer wieder vor Augen halten, denn an jeder Ecke könnte er über dich zusammenbrechen. „Jeder kann jeden verrraten!“
Und so ist das auch. Überall, selbst unter ihren engsten Vertrauten, gibt es jemanden, der sie verrät.

Fazit:
Mal abgesehen von den kleinen Längen ein guter zweiter Band. Jedoch konnte die Charakterweiterentwicklung nicht ganz bei mir punkten. Mare verändert sich irgendwie in eine Richtung, die sie von mir wegbewegt.
4 Büchersterne