Die Gabe der Auserwählten

Pearson, Mary E.
Die Gabe der Auserwählten
Englischer Titel: The beauty of darkness Teil 1
Köln ; one, 2017
ISBN 978-3-8466-0052-8
347 S. – 18,- €

Die Chroniken der Verbliebenen (4 Bände):
Bd. 1: Der Kuss der Lüge
Bd. 2: Das Herz des Verräters
Bd. 3: Die Gabe der Auserwählten
Bd. 4: Der Glanz der Dunkelheit

Inhalt:
Lia und Rafe konnten aus Venda fliehen, nur ist Lia schwer verletzt. Zusammen mit Rafes Soldaten machen sie sich auf den Weg nach Dalbreck, aber Lias innere Stimme sagt ihr, dass ihr Ziel ein anderes ist…

Rezension:
Das erste was mir sofort aufgefallen ist, ist dass das Buch dünner aussieht, als seine Vorgänger. Und tatsächlich. Band eins und zwei haben jeweils über 500 Seiten und dieser hier nur knapp über 300. Ein Lückenfüller? Hmm. Berufsbedingt schaue ich mir auch immer den Originaltitel an und wie dort steht: Teil eins. Schnell die englischsprachige Autorenseite gecheckt und festgestellt, dass es im Englischen wie anfangs auch für die deutsche Ausgabe angekündigt eine Trilogie ist, aber im Deutschen wurde Band 3 in zwei Bände aufgeteilt, wie man es in der Vergangenheit eigentlich nur bei Verfilmungen kannte. Harry Potter, Twilight, Panem & Co. lassen grüßen.
Schade, ich sehe nicht die Notwendigkeit dahinter, das Buch zu splitten.

Die Gabe der Auserwählten setzt unmittelbar nach Ende von Band zwei ein, als Rafe die schwerverletzte Lia bis nach Dalbreck tragen will. Unterwegs kommen seine engsten Vertrauten und Soldaten dazu, Lia wird verarztet und sie gelangen in einen Außenstützpunkt Dalbrecks.
Lia wird hier erstmals damit konfrontiert, dass man sie für eine Verräterin hält. Die Gerüchte sind in Band zwei ja bis nach Morrighan gelangt. Zudem geht es um die Gefühle der Hauptfiguren. Lia lernt eine andere Seite von Rafe kennen, ihre Liebe wird auf eine harte Probe gestellt. Beide sind derart dickköpfig und wollen ihre Vorstellungen durchziehen. Dabei kommt es zu Streitereien, bei denen keiner von beiden seinen Standpunkt aufgeben will.

Lia spürt immer mehr, dass ihr eigenes Ziel nicht Dalbreck ist. Nicht der Platz als Königin an Rafes Seite, fein herausgeputzt als Aushängeschild. Nein, ihr Ziel ist Morrighan, denn ihrem Vater geht es schlecht, sie kommt einer weiteren Verschwörung auf die Spur und es wird wirklich Zeit, dass dem Gelehrten und dem Kanzler das Handwerk gelegt wird.

In Band vier erwartet uns also der große Kampf. Ob nun alle drei Königreiche gegeneinander kämpfen bleibt ungewiss, aber in Anbetracht, dass es womöglich nicht mehr so viele Seiten geben wird 😉  wird es entweder Schlag auf Schlag gehen oder Lia hat soviel Verhandlungsgeschickt, dass sie alles in Ruhe aufklärt.

Fazit:

4 Büchersterne

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Im Zweifel tue nichts

Ferris, Fleur
Im Zweifel tue nichts
Englischer Titel: Risk
Weinheim ; Beltz & Gelberg, 2017
275 S. – 13,95

Inhalt:
Die Freundinnen Sierra und Taylor chatten mit dem selben Typen. Als sich Sierra heimlich mit ihm trifft, muss Taylor als Alibi herhalten. Doch dann meldet sich Sierra nicht mehr und als Taylor ihrer Mutter alles gesteht, ist es schon zu spät…

Rezension:
Der Roman von Fleur Ferris greift ein immer aktuelles Thema auf. Mittlerweile ist es ganz normal, dass man jemand über’s Internet kennenlernt und sich mit der Person online unterhält. Wie viele Datingplattformen sind inzwischen aus dem Nichts entstanden und verkuppeln Menschen online. Man hört hauptsächlich immer nur von den guten Geschichten, aber wie oft ist dann ein Treffen in der Realität nach hinten losgegangen. Sei es, dass der Chatpartner bei der Beschreibung gelogen hat oder weil die Person doch nicht so sympathisch war, wie im Chat.
Diese Geschichte hier, handelt von der dunklen Seite. Davon, dass jemand bewusst junge Mädchen manipuliert und bei einem Treffen missbraucht.
Die Fälle finden immer wieder ihren Weg in die Nachrichten. Dabei wird gewarnt, dass man nicht zu viel von sich Preis gibt, denn damit spielt der Täter.

Fleur Ferris schreibt bewusst aus der Perspektive der besten Freundin, von ihren Gewissensbissen, von der Eifersucht und auch von der Erleichterung für die man sich sofort hasst. Von all den Gefühlen, die man durchlebt. Von der Trauer, dem Schuldbewusstsein, der Wut und der Angst.

Für die Altersgruppe, die dieses Buch anspricht, ist es genau das Richtige. Die Autorin belehrt nicht, sie zeigt auf, was wohin führt und wie leicht man manipuliert werden kann.

4 Büchersterne

Die Perfekten

Brinkmann, Caroline
Die Perfekten
Köln ; one, 2017
ISBN 978-3-8466-0049-8
605 S. – 18,- €

Inhalt:
Rain lebt als Ghost. Sie ist nicht registiert und stets auf der Hut. Im System von Hope hat sie somit keinen Platz. Rain will nur nicht mehr im Verborgenen leben und achtet nicht auf die oberste Regel eines Ghosts: Vertraue niemandem!

Rezension:
Mit dem ersten Band der Perfekten-Reihe setzt uns die deutsche Autorin in einem mehr als strengen System ab. Die Gesegneten, durch Genmanipulation perfekte Menschen, regieren das Land und haben ein Wertungssystem eingeführt. In ihren Umkreis durfen nur Menschen die eine 1 oder 1+ sind. Zweien dürfen gerade noch als Dienstpersonal arbeiten. Weitaus schlimmer geht es Menschen, die als 3 eingestuft werden. Sie sind als kaputt stigmatisiert und ziehen ihre Familen durch ihren Status nach unten.
Die Hauptperson Rain lebt mit ihrer Mutter Storm im Verborgenen. Rain ist als Ghost noch viel weiter unten, als alle anderen. Ghosts sind nicht regristrierte Personen und werden von den Herrschenden gerne als Verbreiter von Seuchen und Krankheiten abgestempelt.
Erschwerend kommt hinzu, dass sie in Grey lebt. Der Zirkel Grey ist genau wie sein Name verlauten lässt, grau. Grau vom Smog, der durch die Fabriken in die Luft gepustet wird. Bewohner der Stadt können nur mit Atemschutzmasken nach draußen und in den Wohnungen hat fast jeder einen Saugroboter, der rund um die Uhr den Staub aufsaugt.
Wie eigentlich immer in den Brennpunkten der Geschichten, legen die Oberen keinen Wert darauf, dass sich das Leben dort zum Positiven ändert. So ist es nicht verwunderlich, dass die Widerstandsgruppe der Spines besonders starken Zulauf aus Grey bekommt.

Nach der ersten großen Überraschung landen wir zusammen mit Rain im Zirkel der Gesegneten und lernen so die andere Seite kennen. Aber bleiben durchaus kritisch den Perfekten gegenüber. Rains Vergangenheit kann sie nicht einfach so hinter sich lassen oder vergessen. Durch ihre Erziehung hat sie eine gesunde Portion Selbstbewusstsein und ein Unrechtsbewusstsein bekommen. So ist es ausgeschlossen, dass sie Menschen entsprechend ihrer Zugehörigkeit der Stufen behandelt.

Caroline Brinkmann hat eine tolle Dystopie geschaffen, die zwar stellenweise relativ vom Satzbau gehalten ist und auch dass einige Passagen schnell durchschaut sind. Aber dennoch. Der Lesefluss bricht nicht ab und man will als Leser einfach nur wissen wie es weitergeht.

Fazit:

4 Büchersterne

Der Report der Magd

Atwood, Margaret
Der Report der Magd
Engl. Titel: The handmaid’s tale
Berlin ; List Taschenbuch, 2006
ISBN 978-3-548-60718-4
8,95 € – 410 S.
Erste dt. Veröffentlichung im Jahr 1986

Inhalt:
Ein totalitärer Staat in der Zukunft: Frauen haben keine Rechte mehr. Diejenigen Frauen, die noch in der Lage sind Kinder zu bekommen, werden gezwungen als Mägde zu dienen…

Rezension:
Eine Besprechung zu diesem Buch ist nicht einfach. Das Buch ist auf viele Weisen komplex und ich kann nicht mal annähernd auf alles eingehen.
Als ich das Buch anfing, wurde bekanntgebeben, dass die TV-Serie bei Entertain bereitgestellt wird. Daraufhin habe ich nahezu zeitgleich das Buch gelesen und die Serie geschaut. Natürlich gab es Änderungen, aber mir gefiel die Serie ebenso gut wie das Buch. Zur Serie kann ich sagen, dass sie die Bereiche, die Desfred im Buch nie erzählen konnte, darstellte. Sei es das Verbleiben von Luke oder Moiras Geschichte, ebenso wie die Entstehung von Gilead.

Achtung ich werde spoilern!!!

In der Bibliothek in der ich arbeite, kam ich mit einer älteren Leserein, selbst Buchhänderin gewesen, ins Grspräch, da sie ein anderes Werk von Margaret Atwood gelesen hat. Wir kamen auf Der Report der Magd zur Sprache, aber sie fand dieses Buch einfach schlecht und unsinig, wirr. Damit war das Thema für sie auch schon erledigt. Ich sehe das ganz anders. Hier kann man sagen, jeder hat einen anderen Geschmack. Gut, der Einstieg in das Buch ist nicht leicht und vielleicht ist es auch eine Art Generationsfrage. Die Dame ist über 80 und ihr favorisiertes Genre liegt entfernt von Science Fiction & Co. Dennoch hat die Autorin einen wichtigen Punkt getroffen, der immer noch aktuell ist.

In der (vielleicht nicht ganz so weit) entfernten Zukunft wurde in den USA der totalitäre Staat Gilead gegründet. Christlich-fundamentalistische und machtbesessene Führer, die „Söhne Jakobs“, haben ein neues hierarisches Regime gegründet, dessen Gesetze mit aller Härte militärisch durchgesetzt werden. Durch atomare Katastrophen, Umweltzerstörung und Geschlechtskrankeiten sind immer mehr Menschen unfruchtbar geworden. Daher werden Frauen in den neuen sozialen Klassen brutal unterjocht und jeglicher Rechte beraubt. Sie dürfen weder arbeiten noch Eigentum besitzen geschweige denn lesen. All ihr vorheriges Vermögen wird entweder ihrem Mann oder einem männlichen Familienmitglied zugeschrieben. Die letzten fruchtbaren Frauen, denen nicht die Flucht gelang, werden zu Mädgen. Sie werden vorrangig den hochrangigen Kommandanten zugeteilt um gemäß der viel zitierten Bibel Kinder zu gebären. Jeder Verstoß gegen die Gesetzte und Regeln wird hart bestaft. Mägde müssen nicht gut aussehen, wen stört es, wenn sie nur noch ein Auge oder eine Hand haben. Auch werden viele Frauen ohne vernünftiges Gerichtsverfahren hingerichtet. Am „liebsten“ wegen Verrat am eigenen Geschlecht. Anfangs werden vor allem Wissenschaftler und Ärzte verfolgt und wegen ihrer älteren „Vergehen“, wie z.B. einem Schwangerschaftsabbruch, getötet.
Desfred ist eine von ihnen und erzählt aus ihrer Sichtweise was sie erlebte. Desfred ist nicht ihr wirklicher Name. June und die anderen Mädge bekommen in jedem Haushalt dem sie zugeordnet werden, einen neuen. Die Vorsile „Des“ und dann der Name des Kommandanten, ein Zeichen wem sie gehört. Anfangs ist es nicht leicht ihr zu folgen, da sie von der jetzigen Zeit in die Vergangenheit springt, von ihrer Familie, ihrem Job und ihrer Freizeit erzählt und dann schnell wieder zurück im Haus des Kommandenten fliegt.
Im Vergleich mit der Serie kann ich keinen großen Unterschied entdecken, wenn es darum geht beim Leser Gefühle zu wecken. Der Hass auf Tante Lydia oder den anderen Tanten z.B., ist jedes Mal gleich groß und die Wut, die man empfindet. Auch wenn man ein My Mitleid mit den Tanten empfindet, da sie vor allem ältere Frauen sind, für die die Gesellschaft Gilead keine Verwendung mehr hat und sie vor der Wahl Kolonien und Arbeit als Tante stehen.
Man merkt deutlich, dass die Autorin ein gutes Gespür für die Politik hat und gefährliche Strömungen/Entwicklungen beim Namen nennt. In der Serie wird es noch deutlicher, dass das was im Roman in den 80er/90er Jahren geschieht, problemlos in die heutige Zeit gesetzt werden kann. Die Normalität wird erst unterschwellig, dann immer offentsichtlicher gekippt.

Um noch etwas zur Serie zu sagen: Während das Buch damit endet, dass June in eine uns unbekannte Zukunft abgeführt wird und wir danach mit Wissenschaftlern über die Herkunft der inzwischen fast hundert Jahre alten Dokumente reden, wird im Abspann der Serie darauf hingewiesen, dass es mit einer zweiten Staffel weitergeht. Was wollen sie zeigen? Was mit June passiert ist? Wie die nächste Generation Gilead erlebt? Ja, das wäre total interessant, ebenso ob Gilead zerfällt, wenn die machtbesessenen Kommandaten und Anführer ihren Neigungen verfallen. Aber will ich das sehen? Ist das Buchende nicht passend genug?

4 1/2 Büchersterne