Im Zweifel tue nichts

Ferris, Fleur
Im Zweifel tue nichts
Englischer Titel: Risk
Weinheim ; Beltz & Gelberg, 2017
275 S. – 13,95

Inhalt:
Die Freundinnen Sierra und Taylor chatten mit dem selben Typen. Als sich Sierra heimlich mit ihm trifft, muss Taylor als Alibi herhalten. Doch dann meldet sich Sierra nicht mehr und als Taylor ihrer Mutter alles gesteht, ist es schon zu spät…

Rezension:
Der Roman von Fleur Ferris greift ein immer aktuelles Thema auf. Mittlerweile ist es ganz normal, dass man jemand über’s Internet kennenlernt und sich mit der Person online unterhält. Wie viele Datingplattformen sind inzwischen aus dem Nichts entstanden und verkuppeln Menschen online. Man hört hauptsächlich immer nur von den guten Geschichten, aber wie oft ist dann ein Treffen in der Realität nach hinten losgegangen. Sei es, dass der Chatpartner bei der Beschreibung gelogen hat oder weil die Person doch nicht so sympathisch war, wie im Chat.
Diese Geschichte hier, handelt von der dunklen Seite. Davon, dass jemand bewusst junge Mädchen manipuliert und bei einem Treffen missbraucht.
Die Fälle finden immer wieder ihren Weg in die Nachrichten. Dabei wird gewarnt, dass man nicht zu viel von sich Preis gibt, denn damit spielt der Täter.

Fleur Ferris schreibt bewusst aus der Perspektive der besten Freundin, von ihren Gewissensbissen, von der Eifersucht und auch von der Erleichterung für die man sich sofort hasst. Von all den Gefühlen, die man durchlebt. Von der Trauer, dem Schuldbewusstsein, der Wut und der Angst.

Für die Altersgruppe, die dieses Buch anspricht, ist es genau das Richtige. Die Autorin belehrt nicht, sie zeigt auf, was wohin führt und wie leicht man manipuliert werden kann.

4 Büchersterne

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Der Report der Magd

Atwood, Margaret
Der Report der Magd
Engl. Titel: The handmaid’s tale
Berlin ; List Taschenbuch, 2006
ISBN 978-3-548-60718-4
8,95 € – 410 S.
Erste dt. Veröffentlichung im Jahr 1986

Inhalt:
Ein totalitärer Staat in der Zukunft: Frauen haben keine Rechte mehr. Diejenigen Frauen, die noch in der Lage sind Kinder zu bekommen, werden gezwungen als Mägde zu dienen…

Rezension:
Eine Besprechung zu diesem Buch ist nicht einfach. Das Buch ist auf viele Weisen komplex und ich kann nicht mal annähernd auf alles eingehen.
Als ich das Buch anfing, wurde bekanntgebeben, dass die TV-Serie bei Entertain bereitgestellt wird. Daraufhin habe ich nahezu zeitgleich das Buch gelesen und die Serie geschaut. Natürlich gab es Änderungen, aber mir gefiel die Serie ebenso gut wie das Buch. Zur Serie kann ich sagen, dass sie die Bereiche, die Desfred im Buch nie erzählen konnte, darstellte. Sei es das Verbleiben von Luke oder Moiras Geschichte, ebenso wie die Entstehung von Gilead.

Achtung ich werde spoilern!!!

In der Bibliothek in der ich arbeite, kam ich mit einer älteren Leserein, selbst Buchhänderin gewesen, ins Grspräch, da sie ein anderes Werk von Margaret Atwood gelesen hat. Wir kamen auf Der Report der Magd zur Sprache, aber sie fand dieses Buch einfach schlecht und unsinig, wirr. Damit war das Thema für sie auch schon erledigt. Ich sehe das ganz anders. Hier kann man sagen, jeder hat einen anderen Geschmack. Gut, der Einstieg in das Buch ist nicht leicht und vielleicht ist es auch eine Art Generationsfrage. Die Dame ist über 80 und ihr favorisiertes Genre liegt entfernt von Science Fiction & Co. Dennoch hat die Autorin einen wichtigen Punkt getroffen, der immer noch aktuell ist.

In der (vielleicht nicht ganz so weit) entfernten Zukunft wurde in den USA der totalitäre Staat Gilead gegründet. Christlich-fundamentalistische und machtbesessene Führer, die „Söhne Jakobs“, haben ein neues hierarisches Regime gegründet, dessen Gesetze mit aller Härte militärisch durchgesetzt werden. Durch atomare Katastrophen, Umweltzerstörung und Geschlechtskrankeiten sind immer mehr Menschen unfruchtbar geworden. Daher werden Frauen in den neuen sozialen Klassen brutal unterjocht und jeglicher Rechte beraubt. Sie dürfen weder arbeiten noch Eigentum besitzen geschweige denn lesen. All ihr vorheriges Vermögen wird entweder ihrem Mann oder einem männlichen Familienmitglied zugeschrieben. Die letzten fruchtbaren Frauen, denen nicht die Flucht gelang, werden zu Mädgen. Sie werden vorrangig den hochrangigen Kommandanten zugeteilt um gemäß der viel zitierten Bibel Kinder zu gebären. Jeder Verstoß gegen die Gesetzte und Regeln wird hart bestaft. Mägde müssen nicht gut aussehen, wen stört es, wenn sie nur noch ein Auge oder eine Hand haben. Auch werden viele Frauen ohne vernünftiges Gerichtsverfahren hingerichtet. Am „liebsten“ wegen Verrat am eigenen Geschlecht. Anfangs werden vor allem Wissenschaftler und Ärzte verfolgt und wegen ihrer älteren „Vergehen“, wie z.B. einem Schwangerschaftsabbruch, getötet.
Desfred ist eine von ihnen und erzählt aus ihrer Sichtweise was sie erlebte. Desfred ist nicht ihr wirklicher Name. June und die anderen Mädge bekommen in jedem Haushalt dem sie zugeordnet werden, einen neuen. Die Vorsile „Des“ und dann der Name des Kommandanten, ein Zeichen wem sie gehört. Anfangs ist es nicht leicht ihr zu folgen, da sie von der jetzigen Zeit in die Vergangenheit springt, von ihrer Familie, ihrem Job und ihrer Freizeit erzählt und dann schnell wieder zurück im Haus des Kommandenten fliegt.
Im Vergleich mit der Serie kann ich keinen großen Unterschied entdecken, wenn es darum geht beim Leser Gefühle zu wecken. Der Hass auf Tante Lydia oder den anderen Tanten z.B., ist jedes Mal gleich groß und die Wut, die man empfindet. Auch wenn man ein My Mitleid mit den Tanten empfindet, da sie vor allem ältere Frauen sind, für die die Gesellschaft Gilead keine Verwendung mehr hat und sie vor der Wahl Kolonien und Arbeit als Tante stehen.
Man merkt deutlich, dass die Autorin ein gutes Gespür für die Politik hat und gefährliche Strömungen/Entwicklungen beim Namen nennt. In der Serie wird es noch deutlicher, dass das was im Roman in den 80er/90er Jahren geschieht, problemlos in die heutige Zeit gesetzt werden kann. Die Normalität wird erst unterschwellig, dann immer offentsichtlicher gekippt.

Um noch etwas zur Serie zu sagen: Während das Buch damit endet, dass June in eine uns unbekannte Zukunft abgeführt wird und wir danach mit Wissenschaftlern über die Herkunft der inzwischen fast hundert Jahre alten Dokumente reden, wird im Abspann der Serie darauf hingewiesen, dass es mit einer zweiten Staffel weitergeht. Was wollen sie zeigen? Was mit June passiert ist? Wie die nächste Generation Gilead erlebt? Ja, das wäre total interessant, ebenso ob Gilead zerfällt, wenn die machtbesessenen Kommandaten und Anführer ihren Neigungen verfallen. Aber will ich das sehen? Ist das Buchende nicht passend genug?

4 1/2 Büchersterne

Hier musst du glücklich sein

Heathfield, Lisa
Hier musst du glücklich sein
Engl.Titel: Seed
Hamburg ; Carlsen, 2017
ISBN 978-3-551-58338-3
316 S. – 16,99 €

Inhalt:
Pearl lebt in Saat. Eine kleine, von der Außenwelt abgeschottete Gemeinschaft unter der Führung von Papa S, die die Natur ehrt.
Als Ellis und seine Familie neu aufgenommen werden, beginnt Pearls Weltbild erheblich zu wackeln…

Rezension:
Hier musst du glücklich sein ist Lisa Heathfield Erstlings und befasst sich sogleich mit einem kritischen Thema.
Die Handlung des Buches spielt in Saat, einer abgeschotteten Gemeinde, die die Natur vereehrt. Angeführt wird die Sekte von Papa S der ein Regime von Angst und Unterdrückung aufgebaut hat. Angst vor den Reaktionen der Natur und dadurch, dass er vor allem die Kinder von kleinauf einschüchtert. Pearl glaubt, dass er seine Augen überall hat und jede noch so kleinste Verfehlung sieht.
Allein dadurch, dass sie an die von Papa S beschriebene Welt glaubt, hat er sie in der Hand und kann sie geschickt manipulieren und einschüchtern.

Die erste Wendung kommt mit Ellis, seiner Schwester Sophie und seiner Mutter ins Spiel. Im Gegensatz zu all den anderen Kindern und Jugendlichen in Saat, wuchsen die beiden in der „bösen“ Außenwelt auf. Nur weil Pate Smith (die männlichen Mitglieder von Saat werden Pate genannt) sich für Linda eingesetzt hat, dürfen sie bleiben. Papa S ist allerdings nicht begeistert davon.

Wir erleben die ganze Geschichte ausschließlich aus Pearls Sicht, bis auf kurze Passagen jeweils zwischen den Kapiteln, von einer uns unbekannten Frau, die durch Papa S Höllenqualen erleidet. Pearl Wandlung von der absoluten Gläubigen, bis zu ihren ersten Zweifeln ist stimmig und nachvollziehbar. Sie erkennt das Unrecht, dass Papa S und die Paten an der Gemeinde tun und fängt dann an ihre eigene Meinung zu bilden.

Fazit:
Lisa Heathfield beschreibt die Unterdrückung und auch den Missbrauch in einer fiktiven Sekte, bis zu ihrem spannenden ereignisreichen Ende.

Die 5. Welle

Yancey, Rick
Die 5. Welle
Engl. Titel: The fifth wave
München; Goldmann, 2013
ISBN 978-3-442-31334-1
480 S. – 16,99 €

Trilogie:
Bd. 1: Die 5. Welle
Bd. 2: Das unendliche Meer
Bd. 3: Der letzte Stern

Inhalt:
Die Erde wird angegriffen. In vier Wellen werden Milliarden Menschen getötet. Jetzt droht die fünfte Welle die letzten von ihnen auch zu töten…

Rezension:
Eine der größten Ängste der Menschheit ist doch, dass es im großen All eine Spezies gibt, die sie angreifen könnte. In diesem Roman geschieht dies. Von langer Hand geplant werden in mehreren Wellen nahezu die ganze Erdbevölkerung ausgelöscht. Zuerst wird die Elektrizität zerstört, dann wird das Land überflutet und schließlich wird eine Seuche freigelassen. Dadurch kamen derart viele Menschen zu Tode, dass die Anderen ihr Ziel die Menschheit auszurotten fast erreicht haben. Aber es gab immer noch Menschen, die zäh genug waren, diesen Gefahren zu trotzen. Diese letzten Überlebenden werden durch die Hand der Anderen weiter dezimiert, indem sie, von der Ich-Erzählerin Cassie benannte, Silencer aussenden, die Jagd auf die letzten Menschen machen. Dies führt dazu, dass man niemandem mehr trauen kann. Niemandem.
So ergeht es auch Cassie, die ihre Mutter an die Seuche und ihren Vater an Soldaten verloren hat. Ihr Bruder wurde von den Soldaten entführt. Dies wird die 5. Welle und Cassie ist dabei herauszufinden, warum die Anderen in Gestalt von Soldaten gerade die überlebenden Kinder mitnehmen und alle anderen Menschen töten.

Die Geschichte spannt sich von einer schlimmen Situation zur nächsten und wird aus mehren Sichtweisen erzählt. Einmal von Cassie, dann aus Sicht eines Silencers den wir dann noch näher kennenlernen sowie von einem 17-Jähirgen, der von den Soldaten eingefangen wurde. Wir sind also an allen wichtigen Schauplätzen dabei.

Fazit:
Der Autor baut eine wirklich bedrückende Endzeitstimmung auf und zeigt, wie weit Menschen in Extremsituationen gehen würden um ihr eigenes oder das Leben ihrer Familie zu retten. Außerdem zeigt er, dass man in solchen Zeiten niemandem trauen kann, denn der Mensch vor dir kann dir alles vorspielen.
4 1/2 Büchersterne