Die 5. Welle

Yancey, Rick
Die 5. Welle
Engl. Titel: The fifth wave
München; Goldmann, 2013
ISBN 978-3-442-31334-1
480 S. – 16,99 €

Trilogie:
Bd. 1: Die 5. Welle
Bd. 2: Das unendliche Meer
Bd. 3: Der letzte Stern

Inhalt:
Die Erde wird angegriffen. In vier Wellen werden Milliarden Menschen getötet. Jetzt droht die fünfte Welle die letzten von ihnen auch zu töten…

Rezension:
Eine der größten Ängste der Menschheit ist doch, dass es im großen All eine Spezies gibt, die sie angreifen könnte. In diesem Roman geschieht dies. Von langer Hand geplant werden in mehreren Wellen nahezu die ganze Erdbevölkerung ausgelöscht. Zuerst wird die Elektrizität zerstört, dann wird das Land überflutet und schließlich wird eine Seuche freigelassen. Dadurch kamen derart viele Menschen zu Tode, dass die Anderen ihr Ziel die Menschheit auszurotten fast erreicht haben. Aber es gab immer noch Menschen, die zäh genug waren, diesen Gefahren zu trotzen. Diese letzten Überlebenden werden durch die Hand der Anderen weiter dezimiert, indem sie, von der Ich-Erzählerin Cassie benannte, Silencer aussenden, die Jagd auf die letzten Menschen machen. Dies führt dazu, dass man niemandem mehr trauen kann. Niemandem.
So ergeht es auch Cassie, die ihre Mutter an die Seuche und ihren Vater an Soldaten verloren hat. Ihr Bruder wurde von den Soldaten entführt. Dies wird die 5. Welle und Cassie ist dabei herauszufinden, warum die Anderen in Gestalt von Soldaten gerade die überlebenden Kinder mitnehmen und alle anderen Menschen töten.

Die Geschichte spannt sich von einer schlimmen Situation zur nächsten und wird aus mehren Sichtweisen erzählt. Einmal von Cassie, dann aus Sicht eines Silencers den wir dann noch näher kennenlernen sowie von einem 17-Jähirgen, der von den Soldaten eingefangen wurde. Wir sind also an allen wichtigen Schauplätzen dabei.

Fazit:
Der Autor baut eine wirklich bedrückende Endzeitstimmung auf und zeigt, wie weit Menschen in Extremsituationen gehen würden um ihr eigenes oder das Leben ihrer Familie zu retten. Außerdem zeigt er, dass man in solchen Zeiten niemandem trauen kann, denn der Mensch vor dir kann dir alles vorspielen.
4 1/2 Büchersterne

Die Welt wäre besser ohne dich

Littman, Sarah Darer
Die Welt wär besser ohne dich
Engl. Titel: Backlash
Ravensburg ; Ravensburger Buchverl., 2016
ISBN 978-3-473-40135-2
379 S. – 14,99 €

Inhalt:
Lara will sich umbringen, wird aber von ihrer Familie rechtzeitig entdeckt. Jedoch wird ein Video wie sie in den Krankenwagen geschoben wird gedreht und bei Facebook gepostet. Daraufhin wird sie zum Gespött ihrer Schule und darüber hinaus…

Rezension:
In Sarah Darer Littmans Jugendbuch beschäftigt sie sich mit dem Thema Cybermobbing, welches immer drastischere Formen annimmt. Das Geschehen zeigt sie aus der Sicht von vier Personen.

Lara hat keine leichte Zeit hinter sich. Als sie in der Schule aufgrund ihres leichten Übergewichtes gehänselt wird, setzt ihre Mutter sie auf Diät. Ihre Mutter ist im Stadtrat und die Familie steht im Auge der Öffentlichkeit. Der Druck auf Lara wird bald so groß, dass sie keinen anderen Weg hinaus sieht, als ihr Leben zu beenden. Diese Zeit ist scheinbar überstanden, aber als sie mit Christian chattet und er sie plötzlich vor aller Welt auf ihrer Facebook-Pinnwand abserviert, nimmt Lara eine Überdosis Schlaftabletten.

Sidney ist Laras jüngere Schwester und hat bisher viel zurückgesteckt. Sie ist für ihr Alter schon sehr reif und versteht, warum Lara so viel Aufmerksamkeit benötigt. Aber sie ist auch wütend auf ihre Schwester, da diese sich stets in ihr Schneckenhaus zurückzieht, sobald es Probleme gibt. Sidney ist es auch, die in der Schule stark sein muss, wenn Lara das Thema Nr. 1 ist.

Bree ist Laras ehemalige Freundin und lebt mit ihren Eltern und ihrem Bruder direkt nebenan. Einst waren sie total eng befreundet, aber Bree hatte keine Lust mehr sich Laras Probleme anzuhören und ließ die Freundschaft fallen. Aufgrund einer falschverstandenen Kleinigkeit an der neuen Schule, macht Bree Lara das Leben zur Hölle. Sie faked ein Facebook-Profil und gibt sich als Christian aus, der mit Lara flirtet und sie dann knallhart fallenlässt. Sie ist es auch, die filmt, wie Lara in den Krankenwagen geschoben wird.

Luke ist Brees jüngerer Bruder und wäre gern wieder besser mit Sydney befreundet. Aber seitdem sich Bree und Lara nicht mehr treffen, haben auch die beiden kaum noch Kontakt. Er ist zudem derjenige der Geschwister, der die Tragweite von Brees Handeln stärker beurteilen kann, als Bree selbst. Zudem wird er, da er ihr Bruder ist, umso mehr mit hinein gezogen und sogar bedroht. Er ist im Debatierclub und kann besonders gut seinen Standpunkt mit Argumenten darstellen sowie allgemein die Sachverhalte auf den Punkt bringen.

Neben diesen vier Sichtweisen erleben wir, wie das Mobbing zwei Familien durcheinanderwirbelt und die nahezu mehere Leben zerstört. Wie ganze Existenzen den Bach runtergehen.
Ich konnte mich in alle Personen hineinversetzen, auch in Bree, konnte verstehen, wieso sie so gehandelt hat. Nur Brees Mutter kann ich nicht nachvollziehen, wieso sie ihrer Tochter nicht Einhalt gebot, als sie herausfand, welches Spiel Bree mit Lara treibt. Stattdessen feuerte sie Bree noch an und hat sogar selbst mitgemacht.

Aufgeteilt ist das Buch in drei Teile. Die Gegenwart in der wir erleben, wie Lara ins Krankenhaus kommt, anschließend wie es vor 2 1/2 Monaten aussah und dann wieder zurück in der Gegenwart, als alles aus dem Ruder läuft.

Fazit:
Sarah Darer Littman zeigt was Cyber-Mobbing nicht nur virtuell sondern real verursachen kann und dass nicht nur ein Leben darunter leidet, sondern das von mehreren Personen. Es ist wie eine Teufelsspirale, aus der man nicht herauskommt.
Das Buch packt einen und man kann nicht mehr aufhören zu lesen. Die Brisanz und Gegenwärtigkeit lassen die Geschichte umso realer wirken und regen zum Nachdenken an.
5 Büchersterne. Monatshightlight Juni

Dreckstück

Beauvais, Clémentine
Dreckstück
Franz. Titel: La pouilleuse
Hamburg ; Carlsen, 2015
ISBN 978-3-551-58337-6
81 S. – 11,99 €

Inhalt:
David und seine Freunde schwänzen mal wieder die Schule. Als ein kleines dunkelhäutiges Mädchen an ihnen vorbeigeht, dass offenbar Läuse hat, nehmen sie es kurzer Hand mit. Doch in der Wohnung von Gonzague gerät die Situation außer Kontrolle.

Rezension:
Auf nur wenigen Seiten erschafft die junge Autorin eine wahrhafte Horrorstory. Eine Gruppe Jugendlicher entführt aus purer Langweile ein kleines Mädchen und hält es in einer Wohnung gefangen. Die Medien werden anschließend spekulieren, was die Teenager zur Tat trieb. War es der Tod des allseits geliebten Kumpels? Oder gar die Abneigung Gonzagues gegen Farbige?
Durch David, den Ich-Erzähler erleben wir das Geschehene hautnah. Eine gewisse Gruppendynamik ist in der Clique zu spüren. Unterbewusst treiben sie sich gegenseitig an und niemand hat den Mut, alles zu beenden. Elise und David wollen das alles nicht, aber sie trauen sich einfach nicht. Beide sind extrem verunsichert. David dadurch, dass er nur in der Clique ist, weil der verstorbene Freund ihn mitbrachte und alle sich deswegen mit ihm abgeben.
Die treibende Kraft sind Gonzague und Florian. Sie nennen das kleine Mädchen „Dreckstück“, ketten es an die Heizung und schneiden ihm schließlich die Haare ab.

Gedanklich war ich dem tatsächlichen Geschehen immer schon ein paar Schritte voraus, habe nachgedacht was nun passieren würde und man malt sich die schrecklichsten Dinge aus. Clementine Beauvais schreibt wirklich beklemmend und an manchen Stellen mag man gar nicht umblättern, weil man einfach nicht lesen will, dass das schlimme gerade Erdachte geschehen könnte.

Fazit:
Beklemmend, aktuell, zum nicht aus der Hand legen. Wie schnell die Gruppendynamik einen mitzieht und verhindert, dass man einschreitet.
4 1/2 Büchersterne

Euer Hass hat kein Gesicht

Jessica Gehres mit Kerstin Dombrowski
Euer Hass hat kein Gesicht
mein Leben im Schatten des Cyber-Mobbing
Würzburg; Arena, 2015
(Arena; Mein Leben)
ISBN 978-3-401-60115-1
155 S. – 9,99 €

Inhalt:
Jessica gehört nach dem Schulwechsel zur beliebtesten Clique. Aber nach und nach schikanieren diese andere Mitschüler und als Jessica einem Mädchen hilft, zentriert sich das Mobbing auf sie. Über Jahre hinweg wird sie das Opfer der Anfeindungen, bei denen scheinbar die ganze Schule mitmacht oder wegsieht…

Rezension:
Die Geschichte von Jessica beruht auf wahren Begebenheiten, wie viele andere Titel aus der Arena-Reihe „Mein Leben“. Die Namen der Personen wurden geändert.

Hier handelt es von der Schülerin Jessica, deren Martyrium anfängt als sie 12 Jahre alt ist und zwei Jahre andauert.
Zunächst wechselt sie auf eine neue Schule und findet schnell Freunde in der Clique um Athina, Nadine, Paul und Mehmet. Alles scheint in Ordnung zu sein, sie sind die beliebsteste Clique in der Schule und Jessica fühlt sich wohl, bis ihre vermeintlichen Freunde anfangen, andere Schüler zu schikanieren. Bald schon sind sie gefürchtet und ein jeder versucht nicht das nächste Opfer zu werden.
Irgendwann wird es Jessica zu viel und sie beschützt ein Mädchen. Doch dadurch wird sie die Zielscheibe ihrer ehemaligen Freunde und tagtäglich ist sie neuen Schikanen ausgesetzt.

Es sind nicht nur die Taten, die grausam sind, auch wird der psychische Druck sichtbar, den die ganze Situation provoziert. Jessica, als Opfer kann und traut sich nicht, sich jemandem anzuvertrauen, da aus ihrer Sicht, die Täter immer davon kommen. Ihr Eigentum wird z.B. zerstört, die Lehrerin zieht darüber nur die Nase kraus, macht einmal „dudu-böse, böse“ und das war’s.
Im Laufe der Geschichte und vor allem als die Schüler älter werden, entdecken sie natürlich die sozialen Medien und da die Bezugspersonen, der Kinder und Jugendlichen, also ihre Eltern und Lehrer, hier kaum bis gar nicht präsent sind, da es sie weder interessiert bzw. sie sich gar nicht auskennen. bleibt diese Form des Mobbings, vor ihnen verborgen. Vor allem dann, wenn es, wie hier im SchülerVZ, in Gruppen passiert, zu denen man eine Einladung braucht.Fatal, da eben hier, sich Jugendliche gefährlich hoch schaukeln. Es werden Anschuldigungen und böse Behauptungen eingeworfen, die nie und nimmer wahr sind, aber die anderen glauben sie und die Spirale, in der sich das Opfer dreht, wird tiefer und tiefer. Auf einmal wird Jessica in der Schule von Leuten angefeindet, die sie noch nie gesehen hat, geschweige denn kennt.

Irgendwann unter diesem ganzen Druck, glaubt das Mobbing-Opfer selbst die bösen Behauptungen und denkt es wäre magersüchtig, hässlich, dumm oder was sonst behauptet wird. Die Attacken werden immer schlimmer und irgendwann in der ganzen Hilflosigkeit und dem Alleinsein, glaubt Jessica nur noch an eine Lösung: ihren Tod.

Ich finde dieses Buch sehr wichtig und es ist so drastisch, aufwühlend und macht einen fassungslos, das man es nicht aus den Händen legen kann. Durch die Medien weiß man, dass jeden Tag, nein jede Minute irgendwo jemand gemobbt wird und wenn niemand sich für den anderen einsetzt, artet es immer weiter aus. Wie oft las man, dass sich ein junges Mädchen oder ein Junge umgebracht hat, weil er/sie den enormen psychischen Druck und die Schikanen nicht mehr ausgehalten hat.

Fazit:
Aufwühlend, extrem emotional und erschreckend.
5 Büchersterne. Monatshighlight Dezember