Der Report der Magd

Atwood, Margaret
Der Report der Magd
Engl. Titel: The handmaid’s tale
Berlin ; List Taschenbuch, 2006
ISBN 978-3-548-60718-4
8,95 € – 410 S.
Erste dt. Veröffentlichung im Jahr 1986

Inhalt:
Ein totalitärer Staat in der Zukunft: Frauen haben keine Rechte mehr. Diejenigen Frauen, die noch in der Lage sind Kinder zu bekommen, werden gezwungen als Mägde zu dienen…

Rezension:
Eine Besprechung zu diesem Buch ist nicht einfach. Das Buch ist auf viele Weisen komplex und ich kann nicht mal annähernd auf alles eingehen.
Als ich das Buch anfing, wurde bekanntgebeben, dass die TV-Serie bei Entertain bereitgestellt wird. Daraufhin habe ich nahezu zeitgleich das Buch gelesen und die Serie geschaut. Natürlich gab es Änderungen, aber mir gefiel die Serie ebenso gut wie das Buch. Zur Serie kann ich sagen, dass sie die Bereiche, die Desfred im Buch nie erzählen konnte, darstellte. Sei es das Verbleiben von Luke oder Moiras Geschichte, ebenso wie die Entstehung von Gilead.

Achtung ich werde spoilern!!!

In der Bibliothek in der ich arbeite, kam ich mit einer älteren Leserein, selbst Buchhänderin gewesen, ins Grspräch, da sie ein anderes Werk von Margaret Atwood gelesen hat. Wir kamen auf Der Report der Magd zur Sprache, aber sie fand dieses Buch einfach schlecht und unsinig, wirr. Damit war das Thema für sie auch schon erledigt. Ich sehe das ganz anders. Hier kann man sagen, jeder hat einen anderen Geschmack. Gut, der Einstieg in das Buch ist nicht leicht und vielleicht ist es auch eine Art Generationsfrage. Die Dame ist über 80 und ihr favorisiertes Genre liegt entfernt von Science Fiction & Co. Dennoch hat die Autorin einen wichtigen Punkt getroffen, der immer noch aktuell ist.

In der (vielleicht nicht ganz so weit) entfernten Zukunft wurde in den USA der totalitäre Staat Gilead gegründet. Christlich-fundamentalistische und machtbesessene Führer, die „Söhne Jakobs“, haben ein neues hierarisches Regime gegründet, dessen Gesetze mit aller Härte militärisch durchgesetzt werden. Durch atomare Katastrophen, Umweltzerstörung und Geschlechtskrankeiten sind immer mehr Menschen unfruchtbar geworden. Daher werden Frauen in den neuen sozialen Klassen brutal unterjocht und jeglicher Rechte beraubt. Sie dürfen weder arbeiten noch Eigentum besitzen geschweige denn lesen. All ihr vorheriges Vermögen wird entweder ihrem Mann oder einem männlichen Familienmitglied zugeschrieben. Die letzten fruchtbaren Frauen, denen nicht die Flucht gelang, werden zu Mädgen. Sie werden vorrangig den hochrangigen Kommandanten zugeteilt um gemäß der viel zitierten Bibel Kinder zu gebären. Jeder Verstoß gegen die Gesetzte und Regeln wird hart bestaft. Mägde müssen nicht gut aussehen, wen stört es, wenn sie nur noch ein Auge oder eine Hand haben. Auch werden viele Frauen ohne vernünftiges Gerichtsverfahren hingerichtet. Am „liebsten“ wegen Verrat am eigenen Geschlecht. Anfangs werden vor allem Wissenschaftler und Ärzte verfolgt und wegen ihrer älteren „Vergehen“, wie z.B. einem Schwangerschaftsabbruch, getötet.
Desfred ist eine von ihnen und erzählt aus ihrer Sichtweise was sie erlebte. Desfred ist nicht ihr wirklicher Name. June und die anderen Mädge bekommen in jedem Haushalt dem sie zugeordnet werden, einen neuen. Die Vorsile „Des“ und dann der Name des Kommandanten, ein Zeichen wem sie gehört. Anfangs ist es nicht leicht ihr zu folgen, da sie von der jetzigen Zeit in die Vergangenheit springt, von ihrer Familie, ihrem Job und ihrer Freizeit erzählt und dann schnell wieder zurück im Haus des Kommandenten fliegt.
Im Vergleich mit der Serie kann ich keinen großen Unterschied entdecken, wenn es darum geht beim Leser Gefühle zu wecken. Der Hass auf Tante Lydia oder den anderen Tanten z.B., ist jedes Mal gleich groß und die Wut, die man empfindet. Auch wenn man ein My Mitleid mit den Tanten empfindet, da sie vor allem ältere Frauen sind, für die die Gesellschaft Gilead keine Verwendung mehr hat und sie vor der Wahl Kolonien und Arbeit als Tante stehen.
Man merkt deutlich, dass die Autorin ein gutes Gespür für die Politik hat und gefährliche Strömungen/Entwicklungen beim Namen nennt. In der Serie wird es noch deutlicher, dass das was im Roman in den 80er/90er Jahren geschieht, problemlos in die heutige Zeit gesetzt werden kann. Die Normalität wird erst unterschwellig, dann immer offentsichtlicher gekippt.

Um noch etwas zur Serie zu sagen: Während das Buch damit endet, dass June in eine uns unbekannte Zukunft abgeführt wird und wir danach mit Wissenschaftlern über die Herkunft der inzwischen fast hundert Jahre alten Dokumente reden, wird im Abspann der Serie darauf hingewiesen, dass es mit einer zweiten Staffel weitergeht. Was wollen sie zeigen? Was mit June passiert ist? Wie die nächste Generation Gilead erlebt? Ja, das wäre total interessant, ebenso ob Gilead zerfällt, wenn die machtbesessenen Kommandaten und Anführer ihren Neigungen verfallen. Aber will ich das sehen? Ist das Buchende nicht passend genug?

4 1/2 Büchersterne

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s