Wie ein flammender Schrei

Wahl, Mats
Wie ein flammender Schrei
Schwed. Titel: Ormfågel
München : Hanser, 2014
ISBN 978-3-446-24640-9
203 S. – 14,90 €

Inhalt:
Ellen muss durch den Umzug auf eine neue Schule, dessen Alltag von gewaltbereiten Schülern bestimmt wird, die scheinbar vor nichts zurückschrecken.

Rezension:
Mats Wahl erzählt in diesem Roman von einer Schule, in der Gewalt an der Tagesordnung ist. Eine Gruppe pubertierender Jungen terrorisiert die Mitschüler und die Lehrer. Kein Tag vergeht ohne einen Feueralarm, eine Sachbeschädigung oder eines gewaltsamen Übergriffes. Niemand ist sicher, auch nicht vor sexuellen Belästigungen und versuchten Vergewaltigungen.

So ein Vorfall, auf den die Geschichte hinausläuft, ist in Schweden, wo die Handlung spielt, bisher nicht vorgekommen, aber es kann passieren.
Wahl arbeitete in verschiedenen Einrichtungen, in der verhaltensauffällige Jugendliche betreut werden und besuchte auch Schulen, in denen sich laut seinen Aussagen weder Lehrer noch Schüler wohlfühlten.

Der Schauplatz der Handlung ist ein sozialer Brennpunkt. Die Schüler wohnen in Hochhäusern mit unzähligen Nachbarn, die Eltern haben meistens keinen oder einen schlecht bezahlten Job. Im Fall von Ellen ist die Mutter alkoholabhängig und schafft den Entzug nicht.
Man fühlt sich zuhause nicht wohl und kommt an eine Schule, in der es anderen genauso geht und in der einige ihren Frust und ihre Wut an den Mitschülern auslassen.
Es ist wirklich ein bedrückendes Gefühl, zu lesen, wie Nico, der Anführer der Gang, ein Mädchen belästigt und niemand dort ist, um einzuschreiten. Oder wie unsicher sich eine schwangere Lehrerin fühlen muss, wenn die Jungs im Klassenzimmer randalieren.

Auch der Frage, warum niemand etwas gegen die Gewalt unternimmt, geht Wahl nach. Es gibt durchaus Lehrer, die den Zustand der Schule nicht mehr akzeptieren wollen. Sie wenden sich an das zuständige Ministerium, aber von dort kommt keine Rückmeldung. Die Hoffnung, die man in die neue Schulleiterin steckt, ist schnell verschwunden. Auch sie kümmert sich nicht um die tiefsitzenden Probleme, versucht sie sogar noch zu beschönigen.
Es muss erst etwas Dramatisches passieren, bis sich jemand regt, aber dennoch ist es für einige zu spät.

Der Roman ist im Original bereits 2010 in Schweden erschienen, aber dennoch hat er von seiner Aktualität nichts eingebüßt. Im Gegenteil: Es ist erschreckend, wie sehr man den Inhalt auf Deutschland übertragen kann. Wer erinnert sich nicht, an Berichte aus sogenannten Problemschulen.

Der Autor:
Der 1940 geborene Matts Wahl hat bereits über 40 Bücher veröffentlicht und schreibt ebenso erfolgreich Drehbücher für Film und Fernsehen. Er erhielt bereits zahlreiche Auszeichnungen und auch in Deutschland wurde er u.a mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.

Fazit:
Ein bedrückendes Buch, aus dem Leben gegriffen, spannend und zugleich erschreckend. Ein Pageturner, der den Leser nachdenkend zurücklässt.
4 Büchersterne

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