Revolver

Sedgwick, Marcus
Revolver
Engl. Titel: Revolver
München ; Dt. Taschenbuch-Verl. 2011
ISBN 978-3-423-24843-3
219 S. – 12,90 €, als ME 1,99 €

Inhalt:
Sig lebt mit seinem Vater Einar, seiner Schwester Anna und ihrer Stiefmutter Nadja versteckt in einer kleinen Hütte in der verschneiten Wildnis von Alaska. Der Tod des Vaters und das Eintreffen eines mysteriösen Gastes lassen die Atmosphäre noch düsterer und gefährlicher werden…

Rezension:
Der Schauplatz der Geschichte ist Alaska um 1910. Viele Menschen kamen in die kalte Abgeschiedenheit da sie ihr Glück beim Goldschürfen versuchen wollten. So auch Einar Andersson, der schon 1899 mit seiner Frau Maria und den beiden Kindern Anna und Sigfried, kurz Sig, gestrandet ist. Er hat keinen Erfolg gehabt, musste aber wegen der Krankheit seiner Frau bleiben.

Langsam und stetig lernen wir die Familie und ihre durchaus tragische Geschichte immer besser kennen. Hierbei wechselt der Autor gerade am Anfang oft die Zeitebenen. Zuerst sind wir beim sechszehnjährigen Sig, der seinen Vater tot auf dem Eis findet und im nächsten Kapitel lernen wir Einar persönlich kennen und erleben wie er es vom Goldschürfer ohne Glück zum Goldprüfer geschafft hat.

Einar Andersson lernen wir im Laufe der Geschichte immer besser kennen, können Rückschlüsse ziehen und seine Entscheidungen verstehen. Auch wenn er in er Gegenward tot ist und in der Hütte liegt, sind die Rückblenden aufschlussreich und bis zum Ende gibt der Autor immer ein Stückchen mehr Preis, bis wir vor der ganzen Komplexität stehen und sie verstehen.

Sigfried, Sig, Einarsson ist der sechszehnjärige Sohn von Einar und Maria Andersson. Er war noch sehr jung als seine Familie nach Alaska auswanderte und aus dieser Zeit ist ihm nicht viel in Erinnerung geblieben. Wohl aber, dass sein Vater ihm den alten Revolver zeigte und ihn schießen ließ. Er ist es, der seinen Vater erfroren auf dem Eis findet. Ab dem Zeitpunkt findet eine Wandlung in dem Jungen statt, der ihn sehr schnell erwachsen werden lässt. Von nun an muss er wichtige Entscheidungen treffen und sich über die Folgen seiner Handlungen klar werden.

Anna Einarsson ist seine ältere Schwester und trotz ihrer langen Abwesenheit stets präsent. Sie ist relativ weise für ihr Alter bzw. schon seit langer Zeit, da sie nach dem Tod ihrer Mutter sofort ihre Kindheit hinter sich ließ. In einer Rückblende erfahren wir, wie Maria gestorben ist und dass Anna den leblosen Körper nicht mehr aus ihrer Erinnerungen verbannen kann.

Maria Einarsson kennen wir nur aus den Rückblenden, da sie in der Gegenwart bereits tot ist. Aber was sie so gegenwärtig macht ist ihre Erziehungsmethode und ihre Gläubigkeit. Jedem im Dorf ist sie bekannt gewesen. Das kommt daher, da sie zu jeder Gelegenheit einen Bibelspruch parat hatte und ihre Kinder immer lehrte, dass sie auf Gott vertrauen müssen.
Dies führt sich weiter in Nadja, der neuen Frau an Einars Seite, die nicht viel älter ist als seine Tochter Anna. Nadja ist ebenso bibelfest und doch treuer, als der Leser zu Anfang glauben mag.

Der Bösewicht der Geschichte ist Gunter Wolff, der kurz nach Einars Tod vor der Tür steht und sich Zugang zum Wohnraum verschafft. Unterschwellig ist hier die Bedrohung fühlbar, wobei diese immer wieder durch die Wechsel in die Vergangenheit, abgeschwächt wird. Nach und nach offenbart sich Wolffs Herkunft und seine Absichten sowie seine Brutalität.

Ein nicht zu vergessener Charakter ist der Revolver an sich. Anfangs fragt man sich noch, warum die Geschichte Revolver heißt und was es mit der Waffe auf sich hat. Sie ist aber ein Motiv, das prägend für die ganze Geschichte ist. Wunderbar erklärt wird auch die Herkunft sowie die Erfolgsgeschichte der Waffe und die einzelnen Abschnitte des Buches bauen bildlich einen Revolver zusammen. Von der Kugentrommel bis zum fertigen Revolver. Zum Schluss stellt diese Waffe unsere Hauptperson vor eine schwierige Entscheidung.

Auch wenn der Autor eine wirklich gute Idee hatte und die Figuren sowie Schauplätze gut zusammenfügte, ist mir „das nervenzerfetzende Psychodrama“ nicht über den Weg gelaufen. Es war spannend, aber unter „psycho“ verstehe ich etwas anderes. Es schwelt unter der Oberfläche doch das Finale am Ende ist irgendwie zu schwach. Das mag vielleicht aber auch daran liegen, dass ich andere Psychothriller und Psychodramen gewöhnt bin.

Und was mich auch etwas stutzig werden ließ, war das Nachwort des Autors, indem er beschrieb wie er für die Recherchen zu diesem Buch mit Waffen in Kontakt kam und es meiner Meinung nach etwas zu einfach stehen ließ. Es sei einfach eine Waffe abzuschießen und nicht beängstigend sie zu halten oder zu nutzen. Ebenso kurz sagte er nur, dass er es wieder machen würde und jeder selber entscheiden sollte, ob Waffen schlecht oder gut sein. Für ein Jugendbuch etwas gewagt, da diese Zielgruppe doch sehr beeinflussbar ist.

Der Autor:
Marcus Sedgwick war als Buchhändler und Lektor tätig, bevor er Autor wurde. Der 1968-Geborene lebt in Sussex und hat bereits mehrere Bücher veröffentlich.

Fazit:
Ein zartes Psychodrama um einen 16-jährigen Jungen, der auf die harte Weise lernen muss mit Verantowrtung umzugehen und dass seine Handlungen auch Nachfolgen mit sich ziehen. Nicht so aufregend, wie es vermarktet wird.
3 Büchersterne.

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2 Kommentare zu “Revolver

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