Die Rüpel-Republik

Schindler, Jörg
Die Rüpel-Republik : warum sind wir so unsozial?
Frankfurt am Main ; Scherz, 2012
978-3-651-00047-6
253 S. – 14,99 €

Inhalt:
Wie ist es passiert, dass wir alle so unsozial wurden und wo wird es hinführen, wenn jeder nur noch an sich selber denkt?

Rezension:
Erinnert ihr euch, wenn ihr den Kopf geschüttelt habt, als eure Eltern oder Großeltern so gern sagten: Früher war doch alles besser, oder: Die Jugend von heute, oder auch: Früher hätt’s das nicht gegeben.
Je älter man wird, umso mehr denkt man selber den ein oder anderen Satz.

Währen der Lektüre von Jörg Schindler ist man des Öfteren am Kopfschütteln. Vieles hat man selber schon erlebt oder konnte es bisweilen beobachten. Und oft fragt man sich dann „Früher war das doch nicht so schlimm, oder?“

Schindler versteift sich nicht darauf unbedingt Lösungsvorschläge zu finden. Viel mehr will er einfach nur zeigen, was in unser aller Umgebung los ist.

Anhand von selbst erlebten Situationen, will ich den Inhalt etwas veranschaulichen:

– Schauplatz Kino: (im letzten halben Jahr bei 3 von 3 Besuchen erlebt) Mitten im Film flackert auf einmal rechts neben meiner Freundin Licht auf und das Geplapper geht los. – Im Hobbit-Film sitzt ein Mann neben mir, meint zu jeder Situation seinen Senf zugeben zu müssen und plötzlich „Bin im Kino“, geht er an sein Handy. – Während wir vor Kurzem „Hänsel und Gretel – Hexenjäger“ schauten, ging eines der gackernden Mädels an ihr Handy „Oh, wer ist denn das? – Hallo, Hi, wie gehts…. plapper, plapper, plapper…“ Als man sie darauf hinwies, nur Gegacker, aber sie hörte zumindest auf zu Telefonieren.

– Jeder hat das schon mal an den Kopf geschmissen bekommen, dass die Jugend von heute unmöglich ist und keine Manieren hat. Ich habe mir mal vorgenommen beim Tür aufhalten nett zu sein. Es kommt mir jemand entgegen, wenn ich herausgehe, dann halte ich die Tür auf und auf anderem Wege genauso. Oftmals bekomme ich ein „Danke“, das freut mich sehr. Doch ebenso oft gibt es nicht mal ein Lächeln. Und wenn ich mir dann ansehe, wer nichts sagt, dann ist es die ältere Generation. Letztens bekam ich die Tür des Bäckers fast ins Gesicht, als mich die Frau ansah, die Tür aber fallen ließ. Ich stehe nur zur Deko, danke.

– Viele sind sehr angespannt, wenn’s ums Autofahren geht. Die anderen sind ja alle schlechtere Autofahrer als man selbst. Joa, würde ich auch unterschreiben. Mittlerweile habe ich einen Gang runtergeschraubt und nehme das Verhalten der anderen noch bewusster war. Ich frage mich dabei sehr oft, warum so viele Menschen ihr eigenes Leben so leichtsinnig aufs Spiel setzen. Dann warte ich eben einen Moment noch mit dem Überholen und fahre nicht so dicht auf. Die Hektik im Straßenverkehr ist tödlich. Aber dann gibts ja noch die Radfahrer, die falsch herum mitten im Kreisel fahren. 😉

Wir maulen uns lieber an, als kurz miteinander zu reden. Wir pöbeln und ziehen vor Gericht. Wir pumpen unsere Kinder lieber mit Medikamenten voll und schieben alles auf ADHS/ADS, weil das viel einfacher ist, als sich um den Nachwuchs zu kümmern.

Der Autor:
Jörg Schindler wurde in Darmstdt geboren und hat neben Germanistik und Anglistik auch Soziologie studiert. Er arbeitete für die Frankfurter Rundschau, den Verlag DuMont und auch beim Spiegel. 2009 wurde er und sein Kollege mit dem Wächterpreis für investigativen Journalismus ausgezeichnet.

Fazit:
Eifirges Nicken während des Lesens. Ein Autor der die Dinge auf den Kopf trifft und niemanden irgendwelche Lösungsvorschläge aufzwingt, sondern einfach nur die Tatsachen darstellt.
Ich vergebe 4 Büchersterne.

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