Barfuß durch Hiroshima

Barfuß durch HiroshimaNakazawa, Keiji
Bafuß durch Hiroshima
Japan. Orig.-Titel: Barefoot Gen (Hadashi no Gen)
München ; Süddeutsche Zeitung, 2012
(Süddeutsche Zeitung Bibliothek Graphic Novels; 4)
ISBN 978-3-86497-003-0
527 S. : überwiegend Illustrationen
14,90 €

Inhalt:
Japan im Zweiten Weltkrieg. Gen und seine Familie müssen jeden Tag schauen, wie sie über die Runden kommen. Die Lebensmittelversorgung ist katastrophal, denn angeblich geht die meiste Nahrung an die Soldaten. Die Medien und die Regierung verschönern alle Nachrichten über den wahren Hergang des Krieges.
Am 6. August 1945 schließlich wird über Hiroshima, Gens Heimatstadt, eine Atombombe abgeworfen.

Rezension:
Barfuß durch Hiroshima enthält die Einzelbände Kinder des Kriegs und Der Tag danach, die zuvor bei Carlsen erschienen sind.
Zunächst erleben wir den alltäglichen Kampf von Gens Familie. Das sind sein Vater, seine schwangere Mutter sowie einen seiner drei Brüder und seine ältere Schwester. Da Gens Vater den Krieg für unsinnig erklärt, wird die komplette Familie von ihrer Umwelt drangsaliert. Teilweise passieren ihnen schon sehr schlimme Sachen und man fragt sich, was sie noch alles durchstehen müssen. Nicht mal in der Schule sind sie sicher.
Im ganzen Land wird der Krieg und Japans Stellung verschönert. Jedem Mann wird eingeredet, dass es seine Pflicht sei, in den Krieg zu ziehen und jedem Kind wird eingetrichtert, dass es sein Leben für den Kaiser geben soll.
Doch die Wahrheit dahinter ist eine viel schlimmere.
Bislang hatte man Zugriff auf vielerei Informationen über den Zweiten Weltkrieg. Von Sachbüchern über Biographien usw. Doch irgendwie ist mir aufgefallen, dass ich meistens nur Bücher aus Deutschlands oder englischer/amerikanischer Sicht zu lesen fand. Aber wie erging es den Menschen in Hiroshima bzw. in ganz Japan im Zweiten Weltkrieg?
Der wohl bekannteste Begriff ist „Kamikaze-Flieger“. Japanische Selbstmordangreifer, wie z.B. beim Angriff auf Peal Harbour.
In der japansichen Kultur galt es als Schande, vom Feind gefangen genommen zu werden. Hier im Manga wird dieser Teil oft hervorgehoben. Die Menschen sprangen lieber von einer Klippe oder nahmen Gift. Doch viele der Piloten wollten nicht sterben. Sie saßen unter Druck im Flugzeug, der Treibstoff reichte nur für den Hinflug und das Flugzeug war mit Unmengen Sprengstoff ausgerüstet. So erlebte es Gens älterer Bruder, der sich nur freiwillig meldete, damit seine Familie nicht mehr so unterdrückt wurde. Zunächst war er von der Richtigkeit des Krieges überzeugt, bis er die Verzweiflung und Angst der anderen mitansah.
Hierzu passt eine Szene, die ich spontan aufgeschlagen habe. Ein Soldat wird von seinen Kameraden und Vorgesetzten so unter Druck gesetzt und als Feigling bezeichnet, weil er sich nicht freiwillig für einen Kamikaze-Flug gemeldet hat.
„Mutter, Natsuko… vergebt mir! Wenn alle anderen sterben, muss ich es auch…selbst wenn ich leben will!“ S. 159

Eine weitere, für mich, bedeutende Szene war nach dem Abwurf der Atombome, als der Autor schrieb: „Überall auf der Welt sind es im Krieg stets die namenlosen Schwachen, die für eine Handvoll Mächtiger ihr Leben lassen.“ S. 299

Das Einzige was mir an diesem Manga nicht besonders gefiel, waren die Zeichnungen. Der Stil gehört nicht zu denen, die ich besonders mag. Dies ist Geschmacksache und darum gehe ich nicht weiter auf die Zeichnungen ein.

Besonders interssant war das Vorwort des Autors über die Entstehung seines Werkes und wie sein Leben weiter verlief.

Der Autor:
Keiji Nakazawa verlor durch die Atombome fast seine komplette Familie. Dies ist seine Autobiographie. Seine Mutter starb 1966 an den Folgen der Strahlung und er selber leidet an Leukämie. Mit 22 Jahren begann er als Comic-Zeichner zu arbeiten. Barfuß durch Hiroshima erschien bereits 1972 und ist sein bekanntestes Werk, welches mit diversen Preisen ausgezeichnet wurde.

Fazit:
Taschentücher bereit legen und in ein dunkles Kapitel der japanischen Geschichte eintauchen. Die Grausamkeit des Zweiten Weltkrieges aus der Sicht eines Jungen schonungslos und bildgewaltig dargestellt.
Ich vergebe 4 1/2 Büchersterne.

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6 Kommentare zu “Barfuß durch Hiroshima

  1. Falls du ihn noch nicht kennst und dich die Thematik weiter interessiert, solltest du den Anime Die letzten Glühwürmchen anschauen. Der Überlebenskampf gegen Ende des zweiten Weltkriegs in Kobe aus der Sicht eines Jungen und seiner kleinen Schwester.

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