Geheimnisvolles Vermächtnis

Geheimnisvolles Vermächtnis

Hooper, Mary
Geheimnisvolles Vermächtnis
Engl. Orig.-Titel: Fallen Grace
Berlin ; Bloomsbury, 2012
(Bloomsbury K & J Taschenbücher ; 5096)
ISBN 978-3-8333-5096-2
379 S. – 8,95 €

Inhalt:
Grace und ihre Schwester Lily haben nicht nur ihre Eltern verloren, nun leben beide in einem heruntergekommen Zimmer und müssen jeden Tag unter den miesesten Bedingungen ihren Lebensunterhalt verdienen.
Sie erfahren so nicht, dass alle Anwälte Londons nach Lily suchen, denn sie ist die Erbin eines umfangreichen Vermögens. Doch auf dieses haben es auch die Unwin-Vetter abgesehen und unternehmen alles Unmenschliche um daran zu gelangen.

Rezension:
Marry Hoopers neuestes Werk schmachtete schon eine ganze Zeit auf meinem Wunschzettel. Als es nun als Taschenbuch erschien, griff ich beherzt zu und es war definitiv kein Fehler.
Der Schauplatz ist wie fast schon gewohnt England/London im 19. Jahrhundert.
Die Hauptpersonen sind Grace und Lily Parkes. Beide sind vom Schicksal stark beeinträchtigt worden. Kurz bevor Grace geboren wurde, verschwand ihr Vater auf Übersee. Sie selber wurde von ihrer Mutter wie die älteste Schwester erzogen, denn Lily hat eine geistige Behinderung und wäre niemals in der Lage sich selber zu versorgen. Als die geliebte Mutter dann stirbt, kommen beide in eine Art Mädcheninternat, wo Grace zur Lehrerin ausgebildet werden soll. Doch sie und auch ihre Schwester werden vergewaltigt. Sie flüchten und findet Obdach in Seven Dails, dem Armenviertel Londons. Von dort an obliegt es Grace, für sich und ihre Schwester zu sorgen. Immer auf der Hut vor Dieben und anderem Gesindel.

Nach jedem Kapitel habe ich sehr mit mir gerungen, ob ich weiterlese. Nicht weil es mir nicht gefiel, im Gegenteil, die Geschichte ist wirklich klasse. Vielmehr habe ich nur stets gedacht, ob es noch schlimmer kommen könnte. Die beiden Mädchen erleben so viel Schlimmes, dass ich nicht daran glauben konnte, dass ihnen je wieder Gutes zu Gesicht kommt.
So wird Lily gleich am Anfang des Buches so unverschämt über den Tisch gezogen und Grace trauert fälschlicherweise um ihr Kind. Die Hebamme teilt ihr mit, dass das Baby verstorben sei und sie solle es begraben. Doch das Kind lebt und wird von einer reichen Familie groß gezogen. Wenn aber andererseits diese Lüge nicht gewesen wäre, so würde Grace nicht die Familie Unwin und den jungen Anwalt James kennenlernen.

Hooper hat es wieder geschafft die aufregende Welt des 19. Jahrhunderts aufleben zu lassen. Man sieht die Gassen und abrissreifen Häuser des Armenviertels vor sich und spaziert durch die vielen Läden. Zudem erhält der Leser einen besonderen Einblick in die Welt der Bestatter. Ein großes Imperium, dass sich vor allem durch den Tod Prinz Alberts profilierte. Die Trauerzeiten und die vielen Gerüchte, die in die Welt gesetzt werden, damit den Trauernden so viel Geld wie möglich aus der Tasche gezogen wird.
Im Anhang findet sich wieder ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen und einige Anmerkungen der Autorin.
Alle Figuren, die Mary Hooper durch die Geschichte laufen lässt, wirken weder aufgesetzt, noch unnahbar. Man kann sich in jede hineinversetzen und durchschaut gute wie böse Absichten. Den einen hasst man, den anderen lernt man schätzen. Auch, wenn das Ende vorhersehbar ist, bleibt die Spannung und man fiebert mit. Des Öfteren erwischte ich mich dabei, wie ich das Buch zuschlug und einfach nur dachte: „Nein, tu das nicht!“

Die Autorin:
Mary Hooper lebt in Hampshire, England und veröffentlichte bereits zahlreiche Kinder- und Jugendbücher. Sie gibt zudem Kurse in Kreativem Schreiben.
Für mich ist sie, gerade was das historische Genre angeht, eine der Besten auf diesem Gebiet. Wenn ich einen guten recherchierten History-Schmöker lesen möchte, dann kann ich ohne Bedenken eines ihrer Werke zur Hand nehmen.

Fazit:
Gefühlsaufreibender Schmöker über das Leben im England des 19. Jahrhunderts. Sehr gut recherchiert und macht Lust auf mehr.
Ich vergebe 5 Büchersterne.

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