Die Rebellion der Maddie Freeman

Die Rebellion der Maddie Freeman Kacvinsky, Katie
Die Rebellion der Maddie Freeman (Bd. 1)
Köln ; Boje
3. Aufl. 2011
Engl. Orig.-Titel: Awaken

ISBN 978-3-414-82300-7
366 S.    15,99 €

Inhalt: Madeleine Freeman lebt in einer Stadt in den USA. 2060. Hier ist es üblich, dass man Schule und Privatleben zuhause abwickelt. Über den PC. Jedes Kind geht in die Digital School. Verbrechen und Kriminalität sind drastisch gesunken. Maddie spürte schon immer, dass dieses Leben nicht richtig sein kann. Als sie aber Justin kennenlernt, der ein entschiedener Gegner der DS ist, beginnt sie wieder ernsthafter über ein Leben ohne die digitale Welt nachzudenken. Zudem hat sie sich in ihn verliebt.

Rezension:
Es hat etwas gedauert, bis dieses Buch seinen Weg zu mir fand. Als es in den Buchläden präsentiert wurde, schlich ich immer dran vorbei, unentschlossen. Die ersten Rezensionen, die ich las, waren auch nicht gerade vielversprechend. Als es dann in unserer Bibliothek auftauchte, lieh ich es mir aus und ich muss sagen, dass ich positiv überrascht wurde.

Wie stellen wir uns die Welt in 50 Jahren vor? Ich habe ja immer noch die Cartoon-Bilder von fliegenden Autos und Futurama-mäßigen Röhren vor Augen.
In der Welt, die Katie Kacvinsky schuf, gehen die Menschen nur noch für sehr wichtige Dinge vor die Tür. Man muss sich mal vorstellen, dass niemand seinen Nachbarn richtig kennt. Die Bäume sind aus Plastik und man joggt nicht durch den Park, sondern auf dem Laufband in einer imaginären Landschaft. Sogar der Hund hat ein eigenes Laufband. Aber, wo macht er sein Geschäft?
Das Schulleben spielt sich auch nur noch digital ab. Diese und jene Kurse, Lerngruppen, keine richtigen Gesichter mehr, sondern vielfach Avatare. Du weißt überhaupt nicht, wen du vor dir hast. Klar, du bist mit der ganzen Welt vernetzt, aber wirklich viel weißt du nicht über deine Kontakte. Und von denen hast du reichlich.
Gerade diese Vernetzung und die ganzen Kontakte kennen wir ja schon von Facebook, StudiVZ, usw.

Madeleine, Maddie, Freeman ist 17 Jahre alt und die Tochter des Digital School (DS)-Gründers. Schon aus diesem Grund weiß sie ihre Herkunft in Foren und Chats zu verschleiern. Sie lebt in einem, in Sicht auf die Digitalisierung, gespaltenem Haushalt. Während ihr Vater durchweg für DS steht, bringt Maddies Mutter ihr immer wieder die „alte“ Offline-Welt näher. Sie verschenkt echte Bücher und erzählt Maddie vie wundervoll sie diese findet. Maddie kannte bisher nur digitale Bücher, denn die Papierherstellung ist absolut umweltunfreundlich. Bücher somit eine Ressourcenverschwendung. Doch trotzallem schreibt Maddie ein Tagebuch. Ja, sie kann schreiben, mit einem echten Stift und auf echtem Papier.

Justin ist ein absoluter Gegner des DS und Maddies Vater. Dies kommt zunächst nur vage heraus, aber im Laufe der Geschichte stellen sich seine Ziele konkret da. Als Leser vermutet man, dass er Maddie nicht unbedingt uneigennützig kennenlernt, doch wir sehen aus ihrer Sicht erstmal nichts anderes. Sie verliebt sich in Justin und die Zweifel kommen dank der rosaroten Brille nicht so schnell.
Durch Justin lernt sie die Offline-Welt kennen und geht in einen Coffee-Shop, oder in einen Club. Vorher unvorstellbar, dass man seine Zeit so verbringen kann. Live mit jemandem reden, ohne Bildschirm davor.
Man muss sich erstmal vorstellen, dass so etwas in Zukunft möglich sein könnte.

Ich habe während des Lesens mir vorgestellt, als wäre ich mit dabei. Man tanzt nicht mehr miteinander, sondern bekommt eine Projektion als Tanzpartner. Das Essen kocht man nicht mehr selber. Fertigessen zack in die Mikrowelle. Das machen heute schon viele, aber ab und an mal selber kochen macht doch auch Spaß. In Maddies Welt eigentlich eine absolute Zeitverschwendung.
Erst durch ihr Aufeinandertreffen mit Justin merkt sie, bzw. sieht wieder, wie sehr die Menschen von den Geräten abhängig ist. Ihre eigentlich beste Freundin ist während eines Gespräches nur auf ihr Handy fixiert und schaut Maddie nicht mal an. So etwas können wir heute schon sehen. Die jetzigen Teenager finden es nicht schlimm, dass man ununterbrochen mit seinem Handy spielt oder alle zwei Sekunden die Nachrichten checkt, obwohl man gerade eigentlich mit seinen Freunden unterwegs ist.

Stück für Stück erleben wir die Wandlung von Maddie mit. Wir können nachvollziehen in welchen Zwiespalt sie sich befindet. Einerseits ihre Familie, ihr Dad und andererseits Justin. Zudem deckt sie Stück für Stück ihre Vergangenheit auf.

~~~

Das Cover ist eigentlich wieder eins der typischen Mädchen-Gesichter, wären da nicht feine Details. Zum Einen der Barcode, der unter dem I hervorschaut und die Linien, die womöglich den Datenstrom darstellen sollen. Und ganz schwach am unteren Rand, die Großstadt.

Die Autorin:
Katie Kacvinsky war eigentlich Model und Lehrerin bevor sie sich dem Schreiben widmete. Die Rebellion der Maddie Freeman ist ihr erstes Buch und Band zwei soll nächstes Jahr auf englisch erscheinen. Titel: Middle ground.

Fazit:
Die Rebellion der Maddie Freeman wagt etwas Neues, das aber durchaus real werden könnte. Viele Dinge sind für uns schon heute Realität. Fehlt nur noch, dass wir demnächst keine Autos mehr haben dürfen, oder Bücher. Aber allein die Digitalisierung hat schon einen ziemlich großen Bereich in unserem Leben eingenommen. Dieses Buch zeigt eine fatale Richtung, die wir durchaus einschlagen könnten.

Ich vergebe 4 Büchersterne.

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